Springe zum Inhalt →

1 – Confirmation Bias

Warum Esoteriker und Verschwörungstheoretiker immer recht haben.

Abschluss an der Youtube-Uni gefälligst?

Wir alle leben in derselben Welt und doch sehen wir sie alle so anders. Obwohl wir alle dieselben Fakten als Grundlage haben, resultieren daraus verschiedene Religionen, verschiedene politische Ideologien, wir haben verschiedene Vorurteile und so weiter und so weiter. Woher kommt das? 


“Der Confirmation Bias ist der Vater aller Denkfehler”, schrieb Rolf Dobelli in seinem Buch “Die Kunst des klaren Denkens”. Er beschreibt unser Verhalten, Informationen so zu filtern, dass diese mit unserem Weltbild konform sind. Dies bedeutet aber auch, dass wir neue Informationen, die in Konflikt mit unserem Weltbild stehen, gerne ignorieren und als Ausnahmen abtun.

Dieser Denkfehler kann eher harmlos sein, wenn wir zum Beispiel Horoskope lesen. Diese sind so schwammig formuliert, dass wir uns darin mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit wiedererkennen – sollte dies mal nicht der Fall sein, wird es als Ausnahme abgetan; sonst stimmen diese ja immer.

Er kann jedoch auch wirklich gefährlich werden, was wir im Moment mit diesen ganzen Verschwörungstheorien sehen. Jegliche Fakten, welche gegen diese Theorien sprechen, werden ignoriert und alles wird so gedreht, dass es die eigene Weltanschauung unterstützt. Es werden Youtube-Videos geschaut, Blogs gelesen und Hinweise erkannt, welche die eigene Meinung unterstützen. Jeglicher Widerspruch zu diesen Informationen – auch Disconfirming Evidence genannt – wird ignoriert oder als Spezialfall, als Ausnahme abgetan. Dieser Bias ist hier so tief verankert – Nehmen wir z.B. die aktuellen Theorien um Bill Gates. Wie er mit Corona die Weltherrschaft übernehmen und alle Menschen mithilfe von RFID-Chips versehen und kontrollieren will. Selbst wenn Bill Gates jetzt am Coronavirus erkranken und sterben würde – wäre dies garantiert nur zur Vertuschung seiner Taten und er würde eigentlich flüchten und verstecken.

Bill “Dr.Evil” Gates


Genauso verhält es sich in vielen Situationen, insbesondere auch bei politischen Ideologien. So werden Ideen aus dem eigenen Lager als tendenziell richtig angesehen, während Ideen aus dem anderen Lager tendenziell falsch sind. Schliesslich vertritt diese Person X sonst auch die Meinung Y also muss an Z ja auch was dran sein. Dies lässt sich sowohl auf das eigene als auch das andere Lager anwenden.

Jedoch gibt es eigentlich nichts Wertvolleres als Disconfirming Evidence. Es ist zwar alles andere als angenehm festzustellen, dass man falsch lag, aber definitiv viel sinnvoller als weiterhin falsch zu liegen. Politiker rühmen sich oft damit, dass sie eine so standfeste Meinung haben und sich nicht von Fakten oder Argumenten affektieren lassen. In meinen Augen sind diese Politiker die schlechtesten. Wir haben in keinem Fall immer alle Informationen, wenn wir uns zu etwas eine Meinung bilden. Oftmals ist der erste Input, den wir kriegen, danach unsere Meinung und bei dieser bleiben wir auch. Ich habe selbst festgestellt, dass ich an Dinge glaubte, welche mir meine Eltern damals als Kind erzählt haben und ich diese noch jahrelang felsenfest vertreten habe, unabhängig von meinem Verhältnis zu meinen Eltern oder neuen Informationen. Es war einfach die erste Meinung zu diesem Thema, die ich mir gebildet habe, auch wenn ich damit falsch lag.

Was heisst das für uns?
Wir können nicht ohne Theorien über unsere Welt durchs Leben gehen. Seien diese wirtschaftlicher, politischer, religiöser oder privater Natur, wir werden immer Theorien brauchen. Je weniger fundiert diese Theorien sind, desto schwerer wiegt der Confirmation Bias. Jemand, der an Gott glaubt, wird genug Dinge finden, welche ihm bestätigen, dass es Gott gibt. Jemand, der dies nicht tut, wird mindestens so viele Dinge finden, die dessen Existenz widerlegen. Um diesen Bias zu umgehen, sollten wir versuchen, unsere eigenen Überzeugungen zu widerlegen und uns mit den Dingen beschäftigen, welche gegen unsere Theorie sprechen. Tun wir dies, bleiben zwei Optionen:

Die Argumente, welche gegen unsere Theorie sprechen, sind schwächer als unsere Theorie. Das heisst, unsere Theorie scheint richtig zu sein. Das ist super und wir können weitermachen wie bisher. Oder aber die Argumente, welche gegen unsere Theorie sprechen, sind stärker als unsere Theorie. Dies ist das bestmögliche, wenn auch ein unangenehmes Szenario – wir haben etwas Neues gelernt, was uns aufzeigt, dass wir falsch lagen und wir können daraus lernen und dies in Zukunft anders betrachten. Es gibt in meinen Augen nichts Wertvolleres, als die Möglichkeit zu kriegen, sich selber zu verbessern und falsche Theorien für die Zukunft zu verwerfen.

Dies mag nicht unbedingt angenehm sein und braucht sehr viel Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, gibt uns aber die Chance vorwärts zu gehen.

Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden.

Aldous Huxley

Neue Informationen und das Ändern der Faktenlage sollten daher immer auf unser Interesse stossen – es könnte uns helfen, in Zukunft bessere Meinungen zu bilden und bessere Entscheidungen zu treffen. Sollten Sie sich also selbst ‘mal beim “dies ist aber eine Ausnahme” denken erwischen, schauen Sie besser ein zweites Mal genauer hin.


Quellen:
Rolf Dobelli – Klar Denken, Klug Handeln Kapitel 8/9
https://gbs-schweiz.org/blog/confirmation-bias/

Veröffentlicht in Bias

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.